Service für Fachjournalisten

Pressemeldungen 2017

Forschungskonsortium unter der Leitung von Grünenthal erhält € 2 Millionen Förderung vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und vom Land Nordrhein-Westfalen

  • Fördermittel aus dem Leitmarktwettbewerb „LifeSciences.NRW“ zur Verbesserung der Entwicklung neuer Schmerzmedikamente
  • Zu dem Konsortium, gegründet und geleitet von Grünenthal, gehören das Unternehmen Taros Chemicals sowie das Forschungszentrum Jülich

Aachen, 16. November 2017 – Viele Patienten, die an starken oder anhaltenden Schmerzen leiden, erhalten eine unzureichende Therapie. Die Verbesserung der Arzneimitteltherapie und des Managements von bisher nicht behandelbaren Schmerzen ist sehr komplex – bei der Entdeckung und Entwicklung neuartiger und wirksamer Schmerzmittel hat nur ein abgestimmtes Vorgehen von Gruppen mit unterschiedlichem Fachwissen Aussicht auf Erfolg. Grünenthal hat das Ziel, neue Lösungen in der Schmerzbehandlung voranzubringen. Das Unternehmen hat deshalb unter seiner Leitung eine Partnerschaft mit insgesamt drei Forschungsgruppen organisiert. Mitglieder sind das Institut für Neurowissenschaften und Medizin (INM) des Forschungszentrums Jülich und Taros Chemicals, ein auf chemisches Design und Synthese spezialisiertes Unternehmen. Zusammen haben die Partner ein ambitioniertes Projekt entworfen, das den Weg zu Schmerzmitteln mit neuartigen, dualen Wirkmechanismen ebnen könnte, die die Ursachen bisher nicht behandelbarer Schmerzen adressieren. Das Projekt trägt den Titel: „Entwicklung von PET-Liganden zum Nachweis von dualen Mechanismen neuer Analgetika“ (Dual2PET).

Der Leitmarktwettbewerb LifeSciences.NRW ist dafür verantwortlich, dass Mittel des europäischen und regionalen Entwicklungsfonds für das Land Nordrhein-Westfalen eingesetzt werden, um die auf Zusammenarbeit ausgerichtete Strategie der öffentlich-privaten Partnerschaften mit öffentlichen Fördermitteln zu unterstützen. Der Dual2PET-Vorschlag gewann die Forschungsförderung gegen die starke Konkurrenz anderer sich bewerbender Konsortien. Das Projekt erhält € 2 Millionen über drei Jahre von den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und dem Bundesland Nordrhein-Westfalen (Referenznummer EFRE-0800988); es begann am 1. Juli 2017.

An chronischen Schmerzen leiden hierzulande nach Angaben der Deutschen Schmerzliga e.V. 12 bis 15 Millionen Menschen; ein Drittel dieser Patienten ist stark beeinträchtigt und dauerhaft therapiepflichtig1. Europaweit sind etwa 20 % aller Einwohner hiervon betroffen, wobei etwa 60% dieser chronischen Schmerzpatienten nicht zufriedenstellend mit den heute verfügbaren Schmerzmitteln behandelt werden können2. Diese Situation ist für viele Betroffene und deren Angehörige mit großem Leid verbunden.

Für eine verbesserte Behandlung chronischer Schmerzen sind innovative Therapieansätze erforderlich, die bevorzugt und gleichzeitig mehrere Pathomechanismen – krankhaft veränderte Prozesse im Körper – behandeln. Wirkstoffe mit mehr als einem Wirkprinzip interagieren dabei mit mehr als einer pharmakologischen Zielstruktur („Multiple Liganden“). Allerdings scheitert die Wirkstoffentwicklung bislang häufig an der Identifizierung solcher multipler Liganden und den hohen Ausfallraten beim Übergang von der Präklinik in die Klinik. Es lässt sich nur selten sicher belegen, dass ein Wirkstoff tatsächlich gleichzeitig die Zielstrukturen sowohl beim Tier als auch beim Menschen moduliert.

Eine Möglichkeit, die Interaktion eines Wirkstoffes mit den Zielstrukturen nachzuweisen, ist der Einsatz modernster bildgebender Verfahren wie der Positronen-Emissions-Tomographie (PET). Mit diesem bildgebenden Verfahren der Nuklearmedizin können biologische Prozesse quantitativ, nicht-invasiv und mehrfach untersucht werden. Das Dual2PET Konsortium unter der Leitung von Grünenthal verfolgt das Ziel, ein neuartiges Verfahren zu entwickeln, um die Interaktion einer einzelnen Substanz an zwei spezifischen Zielstrukturen nachweisen zu können.

Die Möglichkeit, multiple Liganden erst zu entwerfen, und dann zu prüfen, ob ihre pharmakolo-gischen Eigenschaften vom Tier zum Mensch „übersetzt“ werden können (Translationale Medizin), würde eine enorme Verbesserung für die Pharmaforschung und entwicklung bedeuten: Nur dann, wenn dies für eine multiple Ligande gezeigt werden kann, werden aufwendige klinische Studien vorangetrieben. Dual2PET ist ein bahnbrechender neuer Ansatz in der Medikamenten¬entwicklung, der helfen soll, hohe Kosten für fehlgeschlagene klinische Studien zu vermeiden, sowie innovative Arzneimittel schneller zu entwickeln und den Patienten zur Verfügung zu stellen.

Über das Konsortium

Die wissenschaftlichen und technischen Herausforderungen sind sehr komplex und erfordern ein interdisziplinär zusammengesetztes Konsortium mit sich ergänzenden Expertisen und langjährigen Erfahrungen: Die Forschung bei Grünenthal untersucht unter anderem Pathomechanismen der Schmerzentstehung mit dem Ziel, neue Analgetika mit verbesserten Eigenschaften zu entwickeln. Ein Schwerpunkt liegt darin, innovative Methoden mit verbesserter Translatierbarkeit von der Präklinik in die Klinik zu entwickeln, um so die Ausfallrate in der frühen klinischen Entwicklung zu reduzieren. Das Dual2PET-Projekt wird Grünenthals Schmerzforschung voranbringen, indem es das Forschungsnetzwerk ausweitet und die wissenschaftlichen Kompetenzen stärkt.

Taros Chemicals ist ein sogenanntes Kleines und Mittleres Unternehmen (KMU) mit großer Erfahrung in der organischen und metallorganischen Synthesechemie. Taros verfügt über das gesamte Spektrum an computer-gestütztem Wirkstoffdesign, vom virtuellen Screening bis zur adaptiven Struktur-Wirkungsanalyse, vom Molecular Modeling bis zu statistischen Prognoseverfahren, unter Verwendung modernster Infrastruktur und Gerätschaften zur Bearbeitung komplexer Synthese- und Analytikaufgaben.

Seitens des Forschungszentrums Jülich beteiligen sich drei der Institute für Neurowissen¬schaften und Medizin (INM), „Molekulare Organisation des Gehirns“ (IMM-2), „Nuklearchemie“ (IMM-5) und „Computational Biomedicine“ (INM-9/IAS-5), an dem Konsortium. Sie sollen Struktur- und Funktionsveränderungen bei neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen untersuchen und dadurch die frühe Diagnose und Therapie verbessern. Ein zentraler Forschungsschwerpunkt wird auf der Anwendung quantitativer molekularer Bildgebungsverfahren wie der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) liegen.

Das Konsortium verspricht sich, in den nächsten Jahren zukunftsweisende Resultate aus diesem Schmerzprojekt hervorzubringen

Über den Leitmarktwettbewerb „LifeSciences.NRW“

Das Land Nordrhein-Westfalen hat den Leitmarktwettbewerb LifeScience.NRW im Jahr 2015 ins Leben gerufen, um Lösungsansätze für die Herausforderungen im Bereich von Gesundheit und Wohlergehen unserer alternden Bevölkerung zu entwickeln. Nordrhein-westfälische Verbünde aus KMUs, akademischen Einrichtungen sowie Pharmaunternehmen sollen die Möglichkeit zur Förderung innovativer Projekte in der biomedizinischen Forschung und Entwicklung durch Mittel vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und des Landes Nordrhein-Westfalen erhalten. Durch die Stärkung der Innovationskraft will das Land NRW nachhaltig Wachstum und Beschäftigung sichern und auch seine internationale Sichtbarkeit als führender Standort im Bereich „Life-Science“ erhöhen.

Über Grünenthal

Die Grünenthal Gruppe ist ein Pharmaunternehmen mit zukunftweisender Forschung, das sich auf die Indikationen Schmerz, Gicht und Entzündungserkrankungen spezialisiert hat. Es ist unser Anspruch, bis 2022 einen Jahresumsatz von zwei Milliarden Euro zu erwirtschaften und vier bis fünf neue Produkte für Therapiegebiete zu entwickeln, in denen Patienten einen hohen Leidensdruck haben und für die es bislang noch keine ausreichenden therapeutischen Lösungen gibt. Als ein Unternehmen mit vollständig integrierter Forschung und Entwicklung verfügen wir über langjährige Erfahrung in innovativer Schmerzbehandlung und in der Entwicklung modernster Technologien für den Patienten. Da wir uns der Innovation sehr verpflichtet fühlen, liegen die Investitionen in unsere Forschung und Entwicklung über dem Branchendurchschnitt.

Grünenthal ist ein unabhängiges Unternehmen in Familienbesitz mit Konzernzentrale in Aachen, Deutschland. Wir sind in insgesamt 32 Ländern mit Gesellschaften in Europa, Lateinamerika und den Vereinigten Staaten vertreten. Unsere Produkte sind in mehr als 155 Ländern erhältlich, und etwa 5.500 Mitarbeiter arbeiten weltweit für die Grünenthal Gruppe. Der Umsatz betrug im Jahr 2016 rund 1,4 Mrd. €.

Weitere Informationen finden Sie unter www.grunenthal.com

Folgen Sie uns auf LinkedIn “Grünenthal Gruppe“

Über Taros Chemicals
Taros Chemicals ist ein inhabergeführtes Auftragsforschungsunternehmen mit Sitz in Dortmund. Seit 1999 arbeiten die Dortmunder Experten vertrauensvoll mit Pharma-, Chemie- und Biotech-Unternehmen zusammen. Mehr als 10.000 Synthese-, Forschungs- und Prozesschemie-Projekte wurden in dieser Zeit erfolgreich an den weltweiten Kundenstamm ausgeliefert. Taros Wissenschaftler kombinieren mehr als 140 Jahre Erfahrung in der industriellen Bio-Chemie und über 60 Jahre Erfahrung in der aktiven Wirkstoff­forschung. Sie verfügen über Fachwissen in wichtigen therapeutischen Bereichen und Molekül-Zielklassen. Taros Chemicals deckt das gesamte Spektrum der organometallischen Chemieforschung und -produktion, vom Labormaßstab bis zu mehreren Hundert Kg Feinchemikalienproduktion pro Jahr ab. Dazu gehören das Design und die Synthese von Screening-Bibliotheken, computergestütztes Wirkstoffdesign, Dienstleistungen der medizinischen Chemie genauso wie die Forschungs- und Prozessentwicklungsleitungen im Bereich der Fein- und Spezialchemikalien für die klassische Chemische Industrie. Taros Chemicals leitet seit 2013 die Chemie-Aktivitäten der mit 196 Millionen Euro ausgestatteten European Lead Factory (ELF) Wirkstoffforschungsplattform.

Weitere Informationen abrufbar unter http://www.tarosdiscovery.com

Über das Forschungszentrum Jülich
Das Forschungszentrum Jülich betreibt interdisziplinäre Spitzenforschung und stellt sich drängenden Fragen der Gegenwart. Mit seinen Kompetenzen in der Materialforschung und Simulation und seiner Expertise in der Physik, der Nano- und Informationstechnologie sowie den Biowissenschaften und der Hirnforschung entwickelt es die Grundlagen für zukünftige Schlüsseltechnologien. Damit leistet das Forschungszentrum Beiträge zur Lösung großer gesellschaftlicher Herausforderungen in den Bereichen Energie und Umwelt sowie Information und Gehirn. Das Forschungszentrum Jülich geht neue Wege in strategischen Partnerschaften mit Hochschulen, Forschungseinrichtungen und der Industrie im In- und Ausland. Mit mehr als 5.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehört es als Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft zu den großen interdisziplinären Forschungszentren Europas.

Referenzen

1. http://schmerzliga.de/download/Dossier_Schmerzliga.pdf

2. van Hecke O, Torrance N, Smith BH. Chronic pain epidemiology and its clinical relevance. Br J Anaesth. 2013; 111(1):13-8.

Steffen Fritzsche
Head Corporate Communications
Grünenthal GmbH
52099
Aachen
Telefon: +49 241 569 1335
Fax: +49 241 569 51335

Zurück